ADMA:
DIE VEREINIGUNG
MARIAS, DER HELFERIN DER CHRISTEN
Wir haben unseren Weg
in Turin-Valdocco, der Wiege des salesianischen Werkes und der
renovierten Maria-Hilf-Basilika, begonnen. Das Bild Marias, der
Helferin, das wir auf dem Gemälde von Lorenzone betrachten,
ist ein Zeichen des Weges, der uns zur Schönheit eines verklärten
Lebens in der Glorie des Himmels führt. Die Statue Mariens
wird an jedem 24. Mai in einer feierlichen Prozession mitgetragen.
Sie ist ein Zeichen dafür, dass Maria uns auf unserem Lebensweg
begleitet, einem Weg, der manchmal steil und schwierig, voll
Bedrängnissen und Versuchungen ist.
Maria, die
Helferin der Christen, wird von allen als Madonna Don Boscos
betrachtet, auch wenn ihre Verehrung unter diesem Titel schon
bis in die ersten christlichen Jahrhunderte zurückgeht.
Nach der Schlacht bei Lepanto (7.10.1571) wurde dieser Titel
als "Verteidigung des Glaubens" verstanden, und Pius
V. nahm ihn offiziell in Litaneien auf. Im Jahre 1683 schrieb
man ihrer Fürbitte den Sieg über die Türken zu
und in der Folge entstand in München (Bayern) eine "Vereinigung
Marias, der Helferin der Christen", die von Innozenz XI.
approbiert wurde. Am 24. Mai 1814, dem Tag der Rückkehr
Pius VII. aus der Napoleonischen Gefangenschaft, wurde das liturgische
Fest auf den 24. Mai festgelegt.
Der Ursprung
der "Vereinigung Marias, der Helferin der Christen"
(ADMA) steht in direkter Verbindung mit der Maria-Hilf-Basilika
in Turin. Dieses Heiligtum ist aus dem Herzen, dem Unternehmungsgeist
und der großen Verehrung Don Boscos gegenüber der
Muttergottes erwachsen. Der Bau der Kirche war von außerordentlichen
Geschehnissen und größten Schwierigkeiten begleitet.
Wiederholt betonte Don Bosco, dass es die Madonna sei, die diese
Kirche wollte und die ihm alle notwendigen Mittel dafür
zukommen ließ. Sie hatte ihm sogar den Ort bezeichnet,
wo sie entstehen sollte.
Die Vereinigung
der Verehrer Marias, der Helferin der Christen, ist die zweite
Gruppe, die nach den Salesianern von Don Bosco gegründet
wurde. Sie wurde am Heiligtum von Valdocco am 18. April 1869
mit dem Zweck kanonisch errichtet, "die Verehrung des Allerheiligsten
Sakramentes und die Verehrung Mariens, der Helferin der Christen,
zu fördern". Im Jahre 1870 erhob sie Pius IX. zur Erzbruderschaft
und stattete sie mit reichen geistlichen Privilegien aus.
Damit verband
er den Wunsch, dass sich die Vereinigung im ganzen Piemont ausbreiten
möge. 1889 verlieh ihr Leo XIII. das Recht, ähnliche
Vereinigungen bei allen Kirchen und öffentlichen Oratorien,
die von Salesianern betreut würden, zu errichten. Derselbe
Papst ermächtigte 1894 Don Rua und die Nachfolger Don Boscos,
solche Vereinigungen überall dort zu gründen, wo ein
Salesianerhaus existiert. Die ADMA wird so zu einer weltweiten
Bewegung, die in der Folge eine wechselhafte Geschichte zwischen
Anerkennung und Vergessenwerden aufweist.
Im Jahre 1988,
dem hundertsten Todesjahr Don Boscos, erfuhr die Vereinigung,
der Helferin der Christen ((ADMA) eine Neubelebung und wurde
am 5. Juli 1989 offiziell als Gruppe der Salesianischen Familie
anerkannt. Eine bedeutende Anerkennung erhielt sie beim 24. Generalkapitel
der Salesianer (1996), wo es in den Dokumenten heißt: "Don
Bosco rief auch die Vereinigung der Verehrer Marias, der
Helferin der Christen', ins Leben und versah sie mit Aufgaben,
um auch gläubigen Menschen die Spiritualität und die
Sendung der Salesianischen Kongregation zugänglich zu machen."
In ihr verwirklicht sich das Anliegen Don Boscos, möglichst
viele Menschen in die Erziehung und das Heil für die Jugendlichen
einzubeziehen.
Es war sein
Wunsch, dass Maria durch lebendige Gruppen (ADMA - Don-Bosco-Schwestern
- Werk für geistliche Berufe) immer dort gegenwärtig
ist, wo Salesianer tätig sind. Am 7. Oktober 2003 wurde
die Neue Regel der Vereinigung durch die "Kongregation für
die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften
apostolischen Lebens" approbiert.
Die erste Gruppe
ist in Turin-Valdocco beim Heiligtum der Maria-Hilf-Basilika
gegründet worden. Diese Gruppe wird ADMA PRIMARIA genannt,
ihr sind alle anderen Gruppen zugeordnet und alle zusammen bilden
eine einzige Vereinigung. Diese ist in der ganzen Welt verbreitet,
besonders an jenen Orten, wo Salesianer und Don-Bosco-Schwestern
leben und arbeiten. Dank des apostolischen Eifers zahlreicher
Missionare und Missionarinnen hat diese Vereinigung in verschiedenen
Nationen eine fast ans Wunderbare grenzende Entwicklung genommen.
Sie haben der
Fürbitte Marias, der Helferin der Christen, ihre apostolische
und pädagogische Arbeit anvertraut, sie haben ihr zu Ehren
Kapellen und Heiligtümer errichtet und unter dem Volk eine
lebendige und tiefe Verehrung verbreitet.
Seit Beginn
der Aufzeichnung im Jahre 1891 bis zum 31.12.2007 gibt es 3350
angegliederte Vereinigungen, von denen sich 1606 auf die Salesianer
Don Boscos, 1266 auf die Don-Bosco-Schwestern und 478 auf verschiedene
Diözesen beziehen. Schwieriger ist es, die Zahl ihrer Mitglieder
anzugeben (es sind etwa 35 000, die aktiv und regelmäßig
teilnehmen und ca. 60 000, die gelegentlich mitarbeiten).
Seit 1988 wurden
fünf internationale Kongresse zu Ehren Marias, der Helferin
der Christen, abgehalten: 1988 in Turin-Valdocco; 1995 in Cochabamba
(Bolivien); 1999 in Sevilla (Spanien); 2003 in Turin-Valdocco
(aus Anlass des 100. Jahrestages der Krönung der Maria-Hilfe-Statue);
2007 in Mexiko-Stadt.
Die persönliche
Zugehörigkeit zur Vereinigung (vgl. Art. 4 der Regel) umfasst
folgende Aufgaben, die sich besonders auf das Leben in der Familie,
die Lebensumstände, die Arbeit und das persönliche
Umfeld beziehen:
- in der Kirche,
deren Urbild Maria ist, die Teilnahme am liturgischen Leben,
besonders an den Sakramenten der Eucharistie und der Versöhnung,
und das persönliche geistliche Leben, pflegen;
- die Formen der Volksfrömmigkeit erneuern, vertiefen und
leben:
- Gedenktag am 24. jeden Monats
- Rosenkranz
- Novene als Vorbereitung auf das Maria-Hilf-Fest,
- Maria Hilf Segen
- Wallfahrten zu Marienheiligtümern
- Prozessionen
- Mitarbeit am liturgischen und katechetischen Leben der Pfarrei:
Besuche bei Alten und Kranken, verschiedene Dienste in der Kirche
- nach dem Beispiel Marias in der eigenen Familie sich um christliches
Klima der Offenheit und der Solidarität bemühen.
- sich durch Arbeit und Gebet für ärmere Jugendliche
und Menschen in Not einsetzen;
- in der Kirche und besonders in der Salesianischen Familie um
laikale und geistliche Berufe beten und sie unterstützen
- eine Spiritualität des Alltags (Gehorsam gegen Gottes
Willen - Fiat) gemäß dem Evangelium, die nach dem
Vorbild Marias die Großtaten Gottes preist (Magnificat)
und die auch in der Stunde des Leidens und des Kreuzes in Treue
ausharrt (Stabat Mater).
Maria, die
Helferin der Christen, verehren, bedeutet also ihr Leben nachzuahmen,
das ganz der Liebe ihres Sohnes und all derer geweiht war, die
er ihr am Kreuz anvertraut und die sie in das "Obergemach"
begleitet hat. Diese "traditionelle" Verehrung erhält
aus salesianischer Sicht eine apostolische Ausprägung, weil
Maria als Mutter den Christen "zu Hilfe" kommt, besonders
wenn ihr Glaube in Gefahr ist. ADMA bietet ein am Leben orientierten
und einfachen Weg der Heiligung und des Apostolates und fördert
die Verehrung Marias als Helferin der Christen und die Nachahmung
ihres Lebens, das sich von Jesus und seiner Kirche ganz in Anspruch
nehmen ließ.
Vom 17. bis
zum 20. August 2007 wurde in Mexiko-Stadt der V. Internationale
Kongress zu Ehren Mariens abgehalten, der vom Generalobern Don
Pascual Chávez ausdrücklich dort gewünscht und
mit großem Interesse begleitet wurde, um die Verehrung
Marias als Helferin der Christen in diesem Land neu zu verbreiten.
Der neunte Nachfolger Don Boscos erinnerte bei seiner Ansprache
über "Maria, die Glaubende, Mutter und Lehrmeisterin
der Jünger", an die Wichtigkeit der Verehrung der Gottesmutter,
wie sie von Don Bosco gepflegt wurde. "Liebe Brüder
und Schwestern", betont Don Chávez, "wie schon
zur Zeit Don Boscos führen auch heute große soziale
und kulturelle Veränderungen zur Zerstörung der Familie
als soziales Gebilde.
Die Kirche
und die Salesianische Familie sind aufgerufen, Jesus und sein
Evangelium so zu verkündigen, wie es Maria getan hat. Wir
Mitglieder der Salesianischen Familie erneuern wie Don Bosco
unsere Berufung als Hirten der Jugendlichen mit dem Auftrag,
sie Christus zuzuführen, dem Einzigen, der die tiefsten
Sehnsüchte nicht enttäuscht und den Hunger und Durst
nach Leben, Glück und Liebe zu stillen vermag.
Bei der Verwirklichung
dieser Sendung sind wir nicht allein, Maria ist uns als mächtige
Helferin gegen den Bösen im Kampf um das Heil der Jugendlichen
geschenkt; sie ist die Helferin, die sich mit mütterlicher
Liebe um jene sorgt, deren Weg durch die Finsternis dieser Welt
führt und die auf dem Hochaltargemälde der Maria-Hilf-Basilika
zu ihren Füßen sich scharen."
In seinem Grußwort
an die Kongressteilnehmer unterstrich der Generalobere drei Punkte:
1. ADMA ist berufen, in der Salesianischen Familie die Verehrung
Marias, der Helferin der Christen, als konstitutives Element
des salesianischen Charismas und der salesianischen Identität
zu verbreiten.
2. Junge Menschen in den geistlichen Weg von ADMA einzubeziehen,
um ihnen die mütterliche Seite der Kirche und Marias erfahrbar
werden zu lassen. (Ich glaube, dies könnte ein wichtiger
Aspekt in der Familienpastoral, besonders für junge Familien,
sein.)
3. Ausbildung und Bildung der Mitglieder in der Vereinigung:
die Weisungen von Papst Paul VI. in Marialis Cultus neu aufgreifen
und in die Praxis umsetzen.
Die Verehrung
Marias, der Helferin der Christen, wie sie von Don Bosco gedacht
und gewollt war, lädt uns zu einem kirchlichen und universalen
Denken ein, in dem wir an der Sorge Marias um das Heil aller
Menschen teilnehmen, die ihr Jesus vom Kreuz herab anvertraut
hat. In diesem Sinn hat sie Papst Benedikt XVI. in seinem Brief
an die Christen in China am 27. Mai 2007 vor Augen gestellt:
"Liebe Hirten und alle Gläubige, der 24. Mai, der liturgische
Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Hilfe
der Christen - die sich im Marienheiligtum von Sheshan in Shanghai
so großer Verehrung erfreut -, könnte in Zukunft den
Katholiken auf der ganzen Welt Gelegenheit bieten, sich im Gebet
mit der Kirche in China zu vereinen.
Am selben Tag werden
die Katholiken auf der ganzen Welt - insbesondere jene chinesischer
Herkunft - ihre brüderliche Solidarität und Sorge für
euch bekunden, indem sie den Herrn der Geschichte um die Gabe
der Beharrlichkeit im Zeugnis bitten, wohl wissend, dass eure
vergangenen und gegenwärtigen Leiden für den heiligen
Namen Jesu und eure furchtlose Treue zu Seinem Stellvertreter
auf Erden belohnt werden, auch wenn es zuweilen scheinen mag,
dass alles traurig scheitert" (Nr. 19).
"Die Vereinigung
Marias der Helferin der Christen, die beim Heiligtum der Maria-Hilf-Basilika
in Turin-Valdocco besteht, ist Erbin und Fortführerin der
Ersten, von Don Bosco selbst gegründeten Gruppe, weshalb
sie als "Primaria" (Erstere) bezeichnet wird. Aufgrund
ihres Ursprungs und ihrer Verbindung mit dem Heiligtum kommt
ihr die Rolle der Animation, der Koordination und der Information
der Vereinigung auf Weltebene zu" (Art. 15 der Regel). In
diesem Geist und mit dem Wunsch, diesem Auftrag in erneuerter
Weise zu entsprechen, hat der Rat der Präsidentschaft von
ADMA Primaria, zusätzlich zur ADMA-Beilage in der Zeitschrift
Maria Ausiliatrice', die vom Marienheiligtum in Turin-Valdocco
veröffentlich wird, seit vergangenem Oktober die ADMA ONLINE
geschaffen, eine monatliche Mitteilung der Animation und Koordination
im Dienste der angeschlossenen Mitglieder und als Instrument
der Kommunikation für alle Gruppen, der auf der ganzen Welt
verbreiteten Vereinigung. Zu dem kommt ihr die Aufgabe marianischer
Animation für alle Gruppen der Salesianischen Familie zu.
Jede Ausgabe enthält: eine monatliche Botschaft, einen Gebetstext
an Maria, die Helferin der Christen, das Profil eines Zeugnisses,
sowie einen Erfahrungsbericht aus dem Leben und der Familienchronik
von ADMA Primaria.
Dies alles
geschieht aus einem kirchlichen, marianischen und salesianischen
Blickwinkel. Der Beitrag kann unter folgender Internetadresse
aufgerufen werden: www.donbosco-torino.it/ita/adma. Ein weiterer
Schritt wird darin bestehen ein Netzwerk an Kommunikation und
Mitarbeit zwischen der ADMA Primaria und der angegliederten Gruppen
zu schaffen.
Ich schließe
mit dem Gebet der Vereinigung und dem Gruß der Präsidentin
Frau Giuseppina Chiosso, des Präsidialrates von ADMA Primaria
in Turin und meines Vorgängers Don Sebastiano Viotti und
bringe die Überzeugung zum Ausdruck, dass das 26. Generalkapitel
mit seinem Thema "Da mihi animas cetera tolle" seinen
eigenen apostolischen Plan nur dadurch verwirklichen kann, indem
es ihn an den beiden großen Säulen der salesianischen
Pädagogik, der Eucharistie und der Muttergottes, verankert.
Durch eine erneuerte Verehrung des Allerheiligsten Sakramentes
und Marias, der Helferin der Christen, erschließen sich
uns neue geschwisterliche Beziehungen, die die Unterscheidungsfähigkeit
fördern und neue Tätigkeitsfelder in der Erziehung
und in der Berufungspastoral eröffnen. Eine wirkliche Rückkehr
zu Don Bosco kann von der Verehrung Marias als Helferin der Christen,
die Don Bosco und seinen Nachfolgern so wertvoll war, nicht abrücken.
Wir müssen ein charismatisches Erbe Don Boscos aufs Neue
entdecken und heute zur Wirkung bringen, da der Kampf zwischen
Gott und seinem Feind noch härter wird.
Denn die Welt
wird von einem erschreckenden Säkularismus verschlungen,
der darauf aus ist, eine Menschheit, einen Humanismus ohne Gott
zu schaffen, einen Relativismus, der die bleibenden und unveränderlichen
Werte des Evangeliums durch eine religiöse Indifferenz erstickt,
die die hohen Werte von Gott und der Kirche missachtet. Dieser
Kampf fordert unzählige Opfer in unseren Familien und unter
unseren Jugendlichen. Die Jungfrau Maria spannt in der ganzen
Welt ein Netz über ihre geistlichen Söhne und Töchter
zum Schutz gegen die Kräfte des Bösen und bereitet
damit den Sieg ihres Sohnes Jesus Christus vor.
Die Nachfolger
Don Boscos haben immer wieder die Bedeutung unterstrichen, die
vom Gründer unserer Vereinigung zugemessen wurde, die Liebe
zur Eucharistie und zu Maria, der Helferin der Christen, die
Förderung geistlicher Berufe, die Heiligung der Priester,
die Erziehung der Jugend, die Einheit der Familie und die Verteidigung
menschlichen Lebens zu verbreiten. Lassen wir uns von unserer
guten Mutter führen und wir werden in unserer eigenen Person
und im Leben vieler Mitmenschen das Staunen über die Wunder
Gottes erfahren und wir werden zum Lob für unseren Vater
im Himmel.
Dem Unbefleckten
Herzen Marias, der Helferin der Christen, anvertraut, erfahren
wir die Macht der Erlösung und werden zu Zeichen und Werkzeugen
der Liebe Gottes für jene, die seine Liebe noch nicht kennen.
Maria bringt uns heute aufs Neue in Erinnerung: Ich bin die Mutter
Jesu Christi, die Mutter der Kirche und der Salesianischen Kongregation.
Antworten wir ohne Zögern dem Willen Gottes, der sich uns
im Geheimnis des Kreuzes kundtut, durch das wir, seine Söhne
und Töchter, seiner Mutter anvertraut sind.
Don Pier Luigi
Cameroni, Geistlicher Leiter der ADMA
Rom,
29. Februar 2008